DIE BANNERTRÄGER DER 13 ALTEN ORTE DER EIDGENOSSENSCHAFT
Die 13 Alten Orte der Eidgenossenschaft besassen eine klar definierte Rangordnung. Diese spiegelt sich auch in bildlichen Darstellungen der frühneuzeitlichen Eidgenossenschaft wider. Ein besonders eindrucksvolles Beispiel dafür ist der 1585 von Humbert Mareschet geschaffene Gemäldezyklus mit den Bannerträgern der eidgenössischen Orte.
Nach jedem eidgenössischen Stand steht in Klammern die Zahl, die seiner damaligen offiziellen Rangordnung entspricht.
Die Rangordnung der 13 Alten Orte:
Um die dargestellte Rangfolge der eidgenössischen Orte richtig zu verstehen, lohnt sich der Vergleich mit anderen zeitgenössischen Gesamtdarstellungen ihrer Wappen. Dazu gehören beispielsweise der berühmte Titelholzschnitt der Schweizer Chronik von Petermann Etterlin aus dem Jahr 1507 oder die eidgenössische Medaille von Jakob Stampfer von 1547.
Auf solchen Darstellungen sind die Wappen nach einem bestimmten Schema angeordnet. Oben stehen zunächst die beiden Vororte Zürich und Bern. Anschliessend folgen die übrigen Orte abwechselnd auf der linken und rechten Seite.
Die offizielle Rangordnung lautete:
1. Zürich
2. Bern
3. Luzern
4. Uri
5. Schwyz
6. Unterwalden
7. Zug
8. Glarus
9. Basel
10. Freiburg
11. Solothurn
12. Schaffhausen
13. Appenzell
Die Anordnung der Bannerträger:
Auch im hier dargestellten Gemäldezyklus folgt die Anordnung der Figuren dieser Rangordnung.
Die ersten acht Bannerträger schreiten alle nach rechts. Ihre Reihenfolge entspricht einer aufsteigenden Rang- beziehungsweise einer absteigenden Zahlenfolge, bis schliesslich Zürich erreicht wird.
Eine besondere Bedeutung kommt den beiden Vororten zu: Die Bannerträger von Zürich und Bern begegnen sich innerhalb der Darstellung. Der Berner Bannerträger und mit ihm die vier weiteren Bannerträger schreiten anschliessend nach links. Hier verläuft die Ordnung entsprechend in absteigender Rang- beziehungsweise aufsteigender Zahlenfolge.
Auf diese Weise wird die politische Rangordnung der eidgenössischen Orte nicht nur durch ihre Wappen und Banner, sondern auch durch die Bewegungsrichtung der dargestellten Personen sichtbar gemacht.
Eine schweizerische Fantasielandschaft:
Die Bannerträger stehen nicht vor einem neutralen Hintergrund. Hinter ihnen entfaltet sich vielmehr eine zusammenhängende, schweizerisch geprägte Fantasielandschaft.
Flüsse, Seen und schneebedeckte Berge verbinden die einzelnen Darstellungen optisch miteinander. Ergänzt wird die Landschaft durch Brücken, Gehöfte und Städte. Darüber hinaus erscheinen antike Ruinen, die als Hinweis auf die römische Vergangenheit des Landes verstanden werden können.
Obwohl keine konkrete schweizerische Landschaft wiedergegeben wird, entsteht dadurch ein gemeinsamer geografischer Raum, der die Bannerträger der verschiedenen Orte miteinander verbindet.
Ein Fehler im Luzerner Banner:
Bei aller Sorgfalt ist dem Maler Humbert Mareschet innerhalb des Gemäldezyklus ein bemerkenswerter Fehler unterlaufen.
Beim Banner von Luzern ordnete der Künstler die beiden Farben irrtümlicherweise senkrecht statt waagrecht an. Damit entspricht das dargestellte Banner nicht der korrekten Anordnung der Luzerner Farben.
Zum Gemäldezyklus:
Bild: Der Gemäldezyklus mit den Bannerträgern der 13 Alten Orte wurde 1585 von Humbert Mareschet geschaffen. Bis 1832 befand er sich in der Burgerstube des Berner Rathauses. Heute gehört er zum Bestand des Bernischen Historischen Museums.
Bild- und Textquelle: Louis Mühlemann: Wappen und Fahnen der Schweiz, Reich Verlag, Luzern.
Veröffentlicht: 08.08.2026
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