Dani Gebert. Autor
Historische Geschichten aus der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Die Geschichte der Schweiz

- Kanton  Nidwalden -
&
- Kanton Obwalden  -

WAPPEN KANTON NIDWALDEN:

Das Nidwaldner Wappen zeigt einen silbernen Doppelschlüssel auf

rotem Grund. Da in der Wappenkunde die Farbe Silber weiss dargestellt wird, ist der Schlüssel weiss abgebildet.

Das Nidwaldner Wappen geht bis ins Mittelalter zurück, als es zuerst in Siegeln auftauchte. Bereits im 13. Jahrhundert prägten die Kirchgenossen von Stans einen einfachen Schlüssel als Attribut ihres Kirchenpatrons, des heiligen Apostels Petrus, auf ihr Siegel. Wie es im Mittelalter oftmals vorkam, wählten sie nur das Attribut ihres Kirchenpatrons – eben den Schlüssel – statt eines Bildes des Heiligen.

Im Verlauf des 14. und 15. Jahrhunderts entwickelten sich Ob- und Nidwalden zu eigenständigen Landorten. Sie begannen eigene Siegel und Wappen zu führen.

Auf den militärischen Feldzeichen und den Landesbannern Nidwaldens tauchte ab dem 15. Jahrhundert ein Doppelschlüssel auf. Nidwalden wollte so seine Eigenständigkeit gegenüber Obwalden unterstreichen, weil sich die beiden Bundesgenossen immer heftiger um die gegenseitigen Rechte in der Eidgenossenschaft stritten. 1512 machte Papst Julius II. diese Variante quasi offiziell: Er erlaubte den Nidwaldnern, den Doppelschlüssel – der Bestandteil des päpstlichen Wappens ist – zu führen.

Erst auf den militärischen Bannern und den Landesfahnen erschien der rote Hintergrund des Nidwaldner Wappens. Wieso gerade Rot als Wappenfarbe gewählt wurde, ist nicht bekannt.

Früher deutete man die Farbe Rot als religiöses Symbol für das Blut und die Wiederauferstehung Christi. Die moderne Wappenkunde lehnt solche symbolischen Deutungen eher ab, eine alternative Erklärung für die Farbwahl gibt es jedoch nicht. Vielleicht stammt die Farbe einfach vom alten Banner Unterwaldens, das schlicht in Weiss und Rot geteilt war – und damit identisch mit dem heutigen Solothurner Wappen war.

BILD: Wappen des Kanton Nidwalden.

Bildquelle: Wikipedia

Textquelle: Staatsarchiv Nidwalden „Entstehung des Nidwalder Wappen“ von Emil Weber

WAPPEN KANTON OBWALDEN:

Ursprünglich bestand das Obwaldner Wappen aus einem einfachen, von Rot (die rote Farbe geht vermutlich auf das Blutbanner des Reiches zurück) und Weiss geteilten Schild und entsprach dem Banner, aus dem der Schild hervor ging. Dieses Wappen präsentierte anfänglich das ganze Land Unterwalden.

 

Eigenartigerweise fand der seit der zweiten Hälfte des 13. Jahrhunderts im Landessiegel auftretende Schlüssel erst rund 500 Jahre später Eingang in den Schild.

 

Beim Neubau des Sarner Rathauses im Jahre 1747 verwendete man zum ersten Mal den einfachen Schlüssel als Wappenfigur in der das Portal bekrönenden Komposition.

In der Praxis wurde jedoch bis zum Ende des Ancien Régime weiterhin vom einfachen rot-weiss geteilten Schild Gebrauch gemacht, und sogar noch 1815 wurde er in dieser Form von der Obwaldner Regierung als das offizielle Wappen gesehen.

 

Erst nach dem am 12. August 1816 von der Tagsatzung ratifizierten Vergleich mit Nidwalden und der darauf begründeten Aufnahme eines gemeinsamen Wappens für den Gesamtkanton Unterwalden in das Bundessiegel erhielt das Obwaldner Standeswappen seine heutige Form.

 

Der Regierungsrat des Kantons Obwalden hat im Dezember 2008 ein neues Erscheinungsbild der kantonalen Schriftstücke beschlossen. Dabei wurde auch ein neues Kantonslogo definiert, das insbesondere auf einer «zeitgemässeren Neuzeichnung des Kantonswappens beruht, welche weder die Anordnung und die heraldischen Farben noch die Wappenbestandteile in ihrem Gehalt verändern». Es wurden dabei auch die Proportionen des Wappens leicht überarbeitet.

 

BILD: Wappen Kanton Obwalden

 

Bildquelle: Wikipedia

 

Textquelle: Buch: „Wappen und Fahnen der Schweiz“ von Louis Mühlemann, Reich Verlag Luzern / Wikipedia

DAS SIEGEL VON OBWALDEN – Ursprung und Bedeutung

Das älteste bekannte Siegel von Unterwalden entstand kurz nach dem Jahr 1241. Es zeigt einen einfachen, aufrecht stehenden Schlüssel – das Symbol des heiligen Petrus, des Patrons der alten Pfarrkirche von Stans.
Die ursprüngliche Umschrift lautete:

+S. UNIVERSITATIS HOMINUM DE STANNES
(„Siegel der Gesamtheit der Leute von Stans“)

Dieses Siegel wurde ursprünglich nur für das untere Tal, also Nidwalden, geschaffen.

Das Siegel am Bundesbrief von 1291

Das älteste noch erhaltene Exemplar ist am Bundesbrief vom August 1291 befestigt. Es ist rund, hat einen Durchmesser von etwa 4,8 cm (1" 7'") und zeigt einen Schlüssel mit einem großen, nach rechts gedrehtem Schlüsselbart.

Auffällig ist eine spätere Ergänzung im Innern des Siegels, nämlich:

ET VALLIS SUPERIORIS
(„und des oberen Tales“ – also Obwalden)

Diese Zusatzinschrift stammt nicht vom ursprünglichen Stempelschneider: Die Buchstaben sind unregelmäßig und wirken hineingekritzelt. Dennoch wurde dieser Zusatz wohl kurz nach der Fertigung des Originals angebracht – denn es existiert kein Siegel ohne diesen Zusatz.
Die vollständige Umschrift lautet nun:

+ UNIVERSITATIS HOMINUM DE STANNES ET VALLIS SUPERIORIS

Dabei verläuft der Text bis zum Wort Stannes rund um den Rand des Siegels. Der Rest – et vallis superioris – steht innerhalb des Siegelfelds, neben dem Schlüssel.

Gemeinsames Siegel für das ganze Unterwalden
Man nimmt an, dass dieses Siegel ursprünglich für das gesamte Land bestimmt war – noch vor der Trennung der oberrichterlichen Gewalt zwischen Ob- und Nidwalden.

Politischer Wandel im 14. Jahrhundert
Zu Beginn des 14. Jahrhunderts ging die politische Führung von Unterwalden auf Obwalden über. Der Siegelstempel gelangte damit in den Besitz der oberen Talschaft. Der Schlüssel wurde zum gemeinsamen Wappenbild für das ganze Land Unterwalden.
Durch diese Entwicklung bildeten Obwalden und Nidwalden für mehr als 40 Jahre eine vereinigte Talschaft, die unter dem Namen Unterwalden geführt wurde.

Quellen:
L. Mühlemann – „Wappen und Fahnen der Schweiz“
E. Schulthess – „Die Städte- und Landes-Siegel der Schweiz“

DAS SIEGEL VON NIDWALDEN - Ursprung und Wandel

Die Geschichte des Nidwaldner Siegels reicht weit ins Mittelalter zurück. Bereits im 13. Jahrhundert führten die Kirchgenossen von Stans ein Siegel, das einen einfachen Schlüssel zeigte – das Attribut des Kirchenpatrons Apostel Petrus. Wie es im Mittelalter oft üblich war, wählte man nicht die Darstellung des Heiligen selbst, sondern nur dessen symbolisches Attribut.


Vom Kirchensiegel zum Landessiegel Unterwaldens:
Dieses frühe Kirchensiegel von Stans findet sich auch am Bundesbrief von 1291. Damit es nicht nur als Siegel von Nidwalden, sondern als Landessiegel Unterwaldens dienen konnte, wurde die ursprüngliche Umschrift nachträglich erweitert: Der Zusatz „et vallis superioris“ („und des oberen Tales“) wurde kurzerhand ins Siegelfeld eingeritzt.

So entwickelte sich das Stanser Kirchensiegel zum gemeinsamen Siegel Unterwaldens und wurde bis ins 16. Jahrhundert an allen Urkunden verwendet, die Ob- und Nidwalden gemeinsam als eidgenössischer Ort siegelten.


Eigene Siegel und Wappen:
Im 14. und 15. Jahrhundert entwickelten sich Ob- und Nidwalden zunehmend zu eigenständigen Landorten mit eigenen Siegeln und Wappen.
• Ein Siegel aus dem Jahr 1363 zeigt St. Petrus mit einem aufrecht gehaltenen Schlüssel in der rechten und dem Evangelium in der linken Hand. Vermutlich diente bereits 1344 ein ähnliches Siegel.
• Während Nidwalden dieses Siegel für eigene Urkunden nutzte, behielt Obwalden weiterhin das alte gemeinsame Landessiegel für seine Zwecke bei.
Gleichzeitig blieb das gemeinsame Landessiegel auch noch in eidgenössischen Bundesurkunden in Gebrauch.


Wandel der Darstellungen:
Die Inschrift eines Nidwaldner Landessiegels lautete:
S. VNIVERSITAS HOMINVM DE STANS ET I BVCHS
(„Siegel der Gesamtheit der Leute von Stans und Buochs“).
Spätere Siegel zeigten unterschiedliche Bildmotive:
• Im verlorenen Stempel von 1557 sowie im Eisenstempel von 1806 erscheint weiterhin die Figur des Heiligen.
• Im Siegel von 1711 treten zwei Nidwaldner Wappen unter einem gekrönten Reichsschild auf, flankiert von zwei Löwen.
• Im Landessiegel von 1944 wurde der Doppelschlüssel in eleganter Form dargestellt. Dieses Siegel verwendete man 1947, um die Urkunde an Papst Pius XII. zu übermitteln, mit der Bruder Klaus (Nikolaus von Flüe), der „Friedensstifter von Stans“, heiliggesprochen wurde.


📜 BILD: Nidwaldner Landessiegel mit St. Petrus, Mitte des 14. Jahrhunderts


📚 Quellen:
• Louis Mühlemann, Wappen und Fahnen der Schweiz, Reich Verlag
• Staatsarchiv Nidwalden (PDF): Die Entstehung des Nidwaldner Wappens – Ein kurzer Überblick

 
 
 
 
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