Dani Gebert. Autor
Historische Geschichten aus der Schweizerischen Eidgenossenschaft.

Die Geschichte der Schweiz

- Kanton  Thurgau - 

WAPPEN KANTON THURGAU:

Das Wappen des Kantons Thurgau stellt zwei gelbe (heraldisch: goldene), schreitende Löwen auf einem schräg geteilten, weissen (heraldisch: silbernen) und grünen Grund dar. Die Löwen sind aus dem Wappen der Landgrafschaft Thurgau entnommen, das wiederum auf dem Wappen der Grafschaft Kyburg (11. Jahrhundert bis 1264) beruht.

Die Bedeutung der Löwen geht wahrscheinlich auf die gleichberechtigten Adelsfamilien der Herren zu Winterthur (Adelheid, die Tochter Adalberts) sowie von derer von Dillingen (Hartmann I. von Dillingen) zurück, aus denen die Grafschaft entstanden ist.

Erst 1803 erhielt das Gebiet des heutigen Kantons durch die Napoleonische Mediationsakte Souveränitätsrechte, zusammen mit anderen Kantonen wie St. Gallen und der Waadt. Damals wurde das bis anhin in der Heraldik unbeliebte Grün als Farbe der Freiheit eingeführt und Weiss als Farbe der Unschuld.

Eigentlich dürften sich wegen der heraldischen Regel, die zwei Metalle Silber und Gold (Weiss und Gelb) in einem Wappen nicht direkt begegnen. Deshalb gilt das Thurgauer Wappen bis heute als Kuriosität.

Der vor einigen Jahrzehnten angestrengte Versuch das Wappen durch eines zu ersetzen, das den Farbregeln der Heraldik entspricht, war nicht von Erfolg gekrönt.

BILD: Wappen des Kantons Thurgau

Bildquelle: Wikipedia

Textquelle: «Das richtige Wappen des Thurgaus» von Ernst Leisi / Wikipedia

 

DIE RUINEN DER BURG UND DES STÄDTCHENS TANNEGG
- Ein kaum erforschtes Machtzentrum am Tannegger-Grat


Der schmale Tannegger-Grat oberhalb von Dussnang trägt bis heute zahlreiche Spuren mittelalterlicher Befestigungsanlagen. Am östlichsten Punkt des Grates, auf rund 725 m ü. M., wurde im Mittelalter eine Burg – und möglicherweise auch eine Stadtanlage – errichtet.
Zwar sind die meisten Befestigungsspuren im Gelände nur noch schwach erkennbar, doch vom Hauptturm ist die Fundamentlinie der südlichen Fassade deutlich sichtbar. Die Anlage ist bislang archäologisch kaum erforscht, dafür aber durch schriftliche Quellen vergleichsweise gut dokumentiert.
Die ehemalige Tannegger Gerichtsherrschaft reichte weit: Sie erstreckte sich von Mosnang im Toggenburg über Sirnach bis nach Bettwiesen im heutigen Thurgau.


Zentrum einer bischöflichen Herrschaft?
Mit hoher Wahrscheinlichkeit wurde die Anlage durch Heinrich I. von Tann, Bischof von Konstanz (1233–1248), als Zentrum einer dem Bistum zugehörigen Herrschaft ausgebaut.
Die ausgedehnte Grundfläche der Vorburg lässt den Schluss zu, dass zur Burg auch eine kleine Stadtanlage gehörte. Diese scheint sich jedoch kaum entwickelt zu haben.
Obwohl die Anlage ursprünglich als Machtzentrum des Konstanzer Bischofs im Hinterthurgau geplant war, blieb das sogenannte Tanneggeramt geografisch vom übrigen Bistumsgebiet isoliert. Es geriet bald in andere Abhängigkeiten und wurde 1693 vollständig an das Kloster Fischingen verkauft.
Der Hauptturm der Burg stand noch bis 1837, ehe er abgetragen wurde – das Baumaterial fand beim Brückenbau weitere Verwendung.


Archäologische Erkundung und Restaurierung:
Bereits 1894 konnte der Zürcher Kunsthistoriker J. R. Rahn die Anlage erstmals untersuchen, nachdem das Gelände vorübergehend vom Wald befreit worden war.
Erst über ein Jahrhundert später, im Jahr 1997, wurde die Ruine durch die Gemeinde Fischingen und das Amt für Archäologie des Kantons Thurgau systematisch freigelegt, gesäubert, vermessen und restauriert.
Besonders eindrücklich ist der sichtbare Mauerstumpf des Hauptturms. Die südliche Mauerflucht, bestehend aus großen Findlingen, war nie überwachsen und blieb immer gut sichtbar.


Bauweise und Dimensionen:
Die äußere Mauer des Turms besteht aus groben Findlingen, während die Innenseite aus präzise behauenen Tuffblöcken gefertigt wurde.
Die Mauerfüllung besteht aus lagenweise vermörtelten Tuffquadern und Kieseln – eine solide Technik, wie sie in dieser Region im 13. Jahrhundert verbreitet war.
Der rechteckige Turm maß außen rund 15,2 × 11,6 Meter, innen etwa 8 × 5,2 Meter. In Proportion und Mauertechnik lässt er sich gut mit erhaltenen Türmen etwa in Frauenfeld, Arbon, Hegi bei Winterthur oder Elgg vergleichen – allesamt aus vergleichbarer Zeitstellung.


Zerstörung durch die Appenzeller (1407):
Eine Chronik berichtet, dass die Anlage 1407 im Zuge der Appenzeller Kriege zerstört wurde. Die Appenzeller sollen auf einer ihrer berüchtigten „Burgenbruch-Runden“ sowohl die Burg als auch die Siedlung Tannegg zerstört haben.


📷 BILD: Burg Tannegg von Südosten. KI-Bild nach der gezeichneten Vorlage eines unbekannten Künstlers vor 1837 aus einem Manuskript der Zentralbibliothek Zürich.


📍 Bildquelle: Infotafel bei Tannegg
📚 Textquelle: Infotafeln bei Tannegg

 
 
 
 
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